Eine syrische Geschichte

Die 1982 geborene Pädagogin für Islamwissenschaften und Dolmetscherin brachte in diesem Online-Talk eine Präsentation unter dem Titel „Ein Flüchtling werden. Eine syrische Geschichte“. Hadieh ist im Rahmen der Familienzusammenführung nach Österreich gekommen. Die Mutter von drei Kindern lebt seit 2015 mit ihrem Ehemann in ihrer neuen Wahlheimat Wien. Hadieh: „Jeder hat seine eigene, besondere Geschichte“. Zunächst wollte sie in ihrer Heimat Syrien bleiben. Bedingt durch die während des Bürgerkrieges schrecklichen Lebensbedingungen, die fehlenden Möglichkeiten für Ausbildung oder Arbeit und die Sorge um ihre Familie wurde aber das Bedürfnis nach Sicherheit immer stärker.

Moderator Markus Priller illustriert die Zustände: „Man muss sich vorstellen, dass junge Männer gezwungen wurden, auf ihre eigenen Landsleute zu schießen; im Weigerungsfall wurden sie verhaftet oder ermordet!“ Hadieh: „Unsere Männer wollen diesen Konflikt nicht, sie wollen niemanden umbringen!“ Nachdem der Entschluss zur Flucht einmal gefasst war, stellten sich die Fragen nach dem „wohin?“ und „was sollen wir mitnehmen?“ Es ist ein Dilemma: Syrerinnen und Syrern wird nicht überall eine Einreisebewilligung gewährt, Familien werden oft aufgeteilt, man kämpft, um die geringsten Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Hat man die Grenze mit Unterstützung gewissenloser Schlepper erst überwunden und die lebensbedrohenden Gefahren bei der Flucht überstanden, bleibt oft nur das Lagerleben mit seinen katastrophalen und deprimierenden Lebensbedingungen. Markus Priller illustriert Hadiehs Präsentation mit Fakten zu Syrien und aktuellen Zahlen zur Situation der Flüchtlinge.

 

Ist man trotz all dieser Umstände erst in einem Asylland angekommen, muss man sich neuerlich in der Gesellschaft integrieren, von Null beginnen: „Man muss natürlich die Sprache lernen, Zertifikate nostrifizieren, Erfahrungen sammeln und einen Job finden“, erklärt Hadieh. Bei ihrer Ankunft in Österreich konnten weder sie noch ihre Kinder Deutsch. „Es fehlt an Kursen, um die Sprache zu erlernen und das Schulsystem in Österreich für Mütter einfach verständlich und vor allem praxisnah zu erklären. Hinzu kommen viele kulturelle und soziale Unterschiede, unterschiedliche Systeme betreffend Unterricht und Ausbildung der Kinder, unterschiedliche Interpretationen wie beispielsweise des Begriffs Pünktlichkeit.“

 

So ist es wichtig zu wissen, wie die KindergartenpädagogInnen mit den Eltern kommunizieren, wie interkulturelle Missverständnisse vermieden und es den neu hinzugekommenen Kindern erleichtert werden kann, Kontakt mit den anderen aufzunehmen. „Flüchtlingskinder sind ein Teil von Österreich“, ist Hadieh überzeugt.

 

Und Markus Priller abschließend: „Es gehört zur Wertschätzung einer anderen Kultur, sie kennenlernen zu wollen, Vielfalt als Chance zu sehen. So können kulturelle Missverständnisse vermieden werden, und daraus resultieren spannende Erfahrungen. Hadieh ist eine engagierte Übersetzerin zwischen den Kulturen.“

 

Viele interessante Fragen und starke Anteilnahme von Seiten der rund 30 Teilnehmer und Teilnehmerinnen an diesem Online-Talk.