Es ist so ähnlich wie die Weihnachts- oder Osterzeit in Österreich.

Am 5. Mai 2021 fand ein Online-Talk über den Fastenmonat Ramadan statt. Unsere Botschafter Salman Al-Dulaimi und Sabri Opak beantworteten viele neugierige Fragen.

 

 

Wie zum Beispiel: Warum fasten Muslime im Ramadan? Wie läuft das Fasten genau ab? Was ist erlaubt oder nicht erlaubt? Was ist das Zuckerfest und was hat es mit dem Ramadan zu tun? Die beiden Botschafter nahmen die Teilnehmer_innen auf mit auf eine kleine Reise in die Welt des Fastens im Irak, der Türkei und Österreich. Sabri und Salman sprachen auch über ihre Kindheitserinnerungen: „Es ist so ähnlich wie die Weihnachts- oder Osterzeit in Österreich“. Darüber hinaus konnten die Teilnehmer_innen bei diesem crosstalk erfahren, dass viele Menschen einen höchst individuellen Zugang zum Ramadan haben und nicht nur aus religiösen, sondern auch aus unterschiedlichen spirituellen oder kulturellen Gründen fasten.

Salman Al-Dulaimi: „Ramadan erinnert an die Zeit, als nach islamischer Auffassung der Koran herabgesandt wurde. Für Muslime ist der Ramadan eine heilige Zeit, es ist der Monat, in dem Gott zu den Menschen spricht. Dabei gehört der Ramadan zu den sogenannten 5 Säulen des Islam, das sind Bekenntnis, Gebet, Almosensteuer, Fasten und Pilgerfahrt nach Mekka.“

Salman präzisiert weiter, dass im Islam das Fasten ein Gebot ist, und dass der Ramadan im ersten Monat des islamischen Kalenders stattfindet. Hinzu kommen die Idee des Verzichtens, des Teilens, der Geduld, des Mitgefühls und natürlich der positive, soziale Aspekt: „Familienmitglieder, Verwandte und Freunde treffen sich, essen miteinander, Kinder unter 12 Jahren, die ja nicht fasten, bekommen Geschenke, es ist wichtig und auch entspannend.“ Während sich in Salmans Heimat, dem Irak, alle Menschen in einer ähnlichen Situation befinden, ergeben sich für ihn als einzigen Muslim in seinem Wohnhaus in Österreich andere Gegebenheiten: „In meiner Heimat sind wir zum Fastenbrechen abends immer eingeladen, wir laden jemanden zum Essen ein, oder wir besuchen gemeinsam ein Restaurant. Gemeinschaft spielt eine große Rolle.“ Ausnahmen von der Fastenpflicht betreffen Alte, Kranke, schwangere und stillende Frauen, Gebrechliche, Menschen auf Reisen, schwer Arbeitende, Medikamentenpflichtige und Menschen, die gerade Blut spenden und natürlich Kinder vor der Pubertät.

Für Sabri Opak sind die „Pflege der Nachbarschaft, der Gastfreundschaft ganz wichtige Perspektiven, dadurch entstehe ein besonderes Lebensgefühl. Aufgrund von COVID-19 haben sich die Gewohnheiten natürlich geändert: Abends, beim Fastenbrechen wird das Essen an der Türe übergeben, in den Communities hält man die Abstandsregeln ein und schützt einander gegenseitig. Das funktioniert sehr, sehr gut.“ Auf die Frage, wie es für ihn war, als er als Kind das erste Mal den Ramadan mitbegehen durfte, erinnert sich Sabri: „Es war für mich eine große Freude, abends gab es wunderbare Speisen, auch Süßigkeiten, ich durfte mit Eltern, Großeltern, Verwandten und Freunden an einem Tisch sitzen, das bleibt im Kopf, wie zum Beispiel das Weihnachtsfest in Österreich.“ Nicht zu vergessen: Das Fastenbrechen sollte immer mit Bedacht geschehen – kein zu reichliches Essen, und selbstverständlich kein Alkohol und kein Schweinefleisch! Aus medizinischer Sicht spricht nichts gegen das Fasten. Sabri: „Es ist mir nicht bekannt, dass gesunde Menschen lediglich auf Grund des Fastens einen Kollaps bekommen hätten.“

Für jene, die aus verschiedensten Gründen gerade nicht fasten dürfen, sind natürlich auch Spenden als Ersatz willkommen. Sabri: „Wir, die wir in Österreich leben, können beispielsweise Bedürftige oder Obdachlose – gegebenenfalls durch Kleider-, Geld- oder sogar Zeitspenden – unterstützen. Das ist ein sozialer Aspekt und die Möglichkeit, gerade im Ramadan bewusst Freude zu schenken.“

Innerhalb der Community besteht hinsichtlich des Fastens natürlich ein gewisser Gruppendruck. Salman: „Warum fastest du nicht? Bist du krank? Bist du schwanger? Mit diesen Fragen muss man einfach rechnen.“ Hinzu kommt: „Wenn man gerade fastet, darf man auch nicht rauchen.“ Sabri: „Auch wer selbst nicht fastet, wird den Ramadan als eine besondere, spirituelle Zeit wahrnehmen. Ähnlich wie auch in Österreich Agnostiker das Weihnachtsfest feiern und Teil einer Tradition, einer Gesellschaft, einer verbindenden Kultur sein wollen. Man ist sensibler und es hat einen besonderen und beispielgebenden, humanitären Aspekt.“ Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Online-Talks war es „eine spannende und informative Veranstaltung, bei der man viel Neues lernen konnte.“